Dipl.-Psych. Piero Rossi
Fachpsychologe für Psychotherapie FSP
Farmweg 4; CH-5702 Niederlenz AG
062 891 77 90

 

Neurofeedback

Autor: Dipl.-Psych. P. Rossi

 

 



 

 

Neurofeedback (auch EEG-Biofeedback oder Neurotherapie genannt) ist ein seit vielen Jahren angewandtes verhaltenstherapeutisch fundiertes und inzwischen gut erforschtes computerunterstütztes Verfahren zur Behandlung verschiedener psychischer und kognitiver Probleme.

Im therapeutischen Bereich findet das Neurofeedback insbesondere Anwendung bei Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität (ADHS), Depressionen, Angst- und Panikstörungen, Schlafstörungen, Tic- und Zwangsstörungen, Tinnitus, Migräne, Epilepsie sowie zur Rehabilitation nach Schlaganfällen sowie auch zur Therapieunterstützung bei Drogenentzug.

Grundlagen
Je nach Anforderungssituation in Freizeit, Schule und Arbeit sind bestimmte Teile unseres Gehirns besonders aktiv. Andere wiederum werden automatisch deaktiviert, damit eine Aufgabe, welche beispielweise Konzentration und Selbstbeherrschung verlangt, bewältigt werden kann.

Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Aktivierungs-/Deaktivierungsmuster bei Vorliegen einer ADHS, aber auch bei vielen anderen psychischen und kognitiven Problemen, nicht ausgewogen funktionieren. 

Eine Neurofeedback-Therapie ermöglicht eine gezielte Hemmung und/oder Verstärkung der neuronalen Aktivität in denjenigen Bereichen des Gehirns, welche normalerweise zuständig sind für die Bewältigung bestimmter Anforderungen. So sollten beispielsweise bei Aufgaben, welche eine Selbstbeherrschung erfordern, automatisch frontale Hirnabschnitte aktiviert werden. Um Ablenkungen zu widerstehen, sollten sich dagegen eher posteriore paretiale Hirnabschnitte aktivieren.                              

Wie funktioniert Neurofeedback?
Am Kopf des Patienten werden mit einer Haftcreme mehrere Elektroden angebracht, welche die Hirnströme aufnehmen. Ein batteriebetriebenes EEG-Analysegerät zerlegt diese Hirnströme in Frequenzbänder. Auf dem Monitor eines Computers, an welchen das EEG-Gerät angeschlossen ist, werden diese EEG-Messungen sichtbar gemacht. Mit Hilfe einer speziellen Therapie-Software ist es schliesslich möglich, eine gezielte Hemmung oder Ver­stärkung der Gehirnaktivität in den erwünschten Bereichen des Gehirns zu trainieren.

Dieser Stimulations- oder Hemmungseffekt kommt folgendermassen zu Stande: Der Therapeut legt - unterstützt von der Software - bei den Hirnwellen­bereichen, welche die zu verändernden Aktivierungsregionen widerspiegeln, Schwellenwerte fest, welche unter- und/oder überschritten werden sollen. 

Der Patient sieht auf einem eigenen Monitor ausgewählte Animationen, die ihm bei erwünschten Veränderungen seiner Hirnaktivität sofort direkt sichtbar oder auch hörbar ein Feedback geben. Konkret: Ein Videofilm beispielsweise läuft nur dann weiter, wenn die vorher definierten Schwellen über- bzw. unterschritten wurden. Mittlerweile wurden eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten für die Rückmeldung entwickelt, darunter auch attraktive, spielerische Verfahren für Kinder.

Durch die positive Rückmeldung bei „stimmiger“ Gehirnaktivität lernt das Gehirn automatisch, sich selbst zu regulieren. Das Neurofeedback beruht also auf dem Prinzip des operanten Konditionierens: Erwünschtes neuronales Verhalten (etwa die Produktion von schneller EEG-Aktivität bei gleichzeitiger Unterdrückung langsamerer Aktivität) wird durch die Darbietung angenehmer, leicht wahrnehmbarer und verständlicher Rückmeldesignale verstärkt. Diese neuronale Selbstregulation erfolgt dabei nahezu ausschliesslich auf „unbewusstem“ Wege (etwa vergleichbar mit der Art und Weise, wie ein Kind über das Feedback seines Gleichgewichtsorgans und seiner übrigen Sinne das Laufen erlernt). Neurofeedback bezeichnet also die gelernte Selbstregulation der Hirnaktivität mittels Rückmeldung und Belohnung.

Neurofeedback: Für wen?
Diese Verhaltenstherapie ist angezeigt unter anderem bei ADHS-Patienten, welche auf die Behandlung mit Stimulanzien nicht oder ungenügend ansprechen oder bei welchen die Therapie infolge unerwünschter Arzneimittelwirkungen abgebrochen werden musste.
Ein Ersatz für die medikamentöse Behandlung mit Stimulanzien ist die Neurofeedback-Therapie nicht. Neurofeedback kann auch die Behandlung anderer psychischer Störungen und Lernprobleme unterstützen.

Der Ablauf

  • Abklärung des psychischen Befindens und Verhaltensauffälligkeiten (Gespräche mit dem Patienten und den Eltern; Fragebögen)

  • Neuropsychologische Standortbestimmung
    (computergestützte Testuntersuchung)

  • Definition von Behandlungszielen

  • Neurofeedbacktherapie

  • Verlaufskontrollen

Diese Eingangsuntersuchungen ermöglichen eine klare Indikationsstellung und eine Therapieplanung. Als „Baseline“ helfen sie, die Therapieeffekte später messbar zu machen und ermöglichen somit ein zuverlässiges Therapiemonitoring (in der Halbzeit und nach Abschluss der Therapie wird ein Teil der Eingangsuntersuchung wiederholt). Die Therapie dauert ungefähr drei bis sechs Monate und umfasst in den ersten Monaten zwei und anschliessend eine Konsultation pro Woche à 1h.

Wirkt Neurofeedback überhaupt?
Ob ein Patient auf die Behandlung anspricht, kann normalerweise nach ca. sechs bis acht Therapiesitzungen festgestellt werden. Ob und wie weit sich bei einer längeren Therapie auch im Alltag Verbesserungen zeigen, kann indes erst nach zwanzig bis dreissig Konsultationen beurteilt werden.

Immerhin: Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass die im Training erzielten EEG-Veränderungen bei zahlreichen Patienten auch nach dem Training stabil bleiben. Angestrebt wird  - wie auch bei allen anderen verhaltenstherapeutischen Interventionen -  die Generalisierung der erzielten Veränderungen auf den Alltag der Patienten.

Wirksamkeit der Neurofeedback-Therapie bei ADHS ist belegt
Dass ADHS-Patienten von Neurofeedback profitieren können, gilt heute klinisch und empirisch als gesichert. Siehe dazu hier. Unsere Erfahrungen mit Neurofeedback sind ebenfalls positiv.

Nebenwirkungen?
Berichte über ernste oder anhaltende unerwünschte Wirkungen von Neurofeedback sind bisher nicht bekannt. Selten werden Kopfschmerzen und Müdigkeit beklagt, die offenbar durch die Trainingssituation, mit anhaltender Konzentration und damit verbundener muskulärer Anspannung, bedingt sind.

Aktuelle Forschungsliteratur

Arns, M., de Ridder, S., Strehl, U., Breteler, M. & Coenen, A. Efficacy of Neurofeedback Treatment in ADHD: The effects on Inattention, Impulsivity and Hyperactivity: a Meta-Analysis. EEG and Clinical Neuroscience; 07/2009, 40(3), 180-189. Download als PDF.

Gevensleben et al.: Is neurofeedback an efficacious treatment for ADHD? A randomised controlled clinical trial. In: Journal of Child Psychology and Psychiatry. Published Online: 101/2009. Download als PDF.

Weitere Informationen

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Diese Seite wurde letztmals aktualisiert am 24.08.2009